First International Yacht Racing Forum Hamburg

forum_2010_4Gleich nach dem German Offshore Award im Hamburger Rathaus hatte die GER-OO am Samstag zu einem International Yacht Forum in die Handelskammer eingeladen, um möglichst viele internationale Segler an diesem Wochenende in die Hansestadt zu locken. Dieser Plan ging besser auf als erwartet, nachdem mehr als 220 Anmeldungen aus 10 Ländern eingegangen waren, musste man vom NRV in den grösseren Saal umziehen. Die Rednerliste war hochrangig besetzt: Auf dem Podium saßen die Yacht-Designer Simon Rogers, Mark Mills, John Corby und Torsten Conradi (J/V). Darüber hinaus Thomas Jungblut (North), Sven Krause (Quantum), Riggexperte René Villefranche, Materialforscher und -prüfer Dr. Olaf Günnewig und der Koordinator der TP 52 Class Rob Weiland. Als Moderatoren wurden die Amerikaner Mike Castania und Dobbs Davis (Seahorse USA) zusammen Svante Domitzlaff aufgeboten.

forum_2010_1Die Designer stellten sich zunächst selbst und ihre Designlinie und -philosophie in launigen Kurzvorträgen vor. In den Vorträgen überwogen - aus UK wenig überraschend - Racer- und Cruiserracer-Entwürfe nach der IRC-Formel. Was man da zu sehen bekam, sah überwiegend schnell und sexy aus. Amüsant insbesondere John Corby, der von seinem Recycling-Design berichtete. Ist ein älteres Schiff zu dick, rückt man ihm mit der Säge zuleibe und nimmt Abnäher raus und klebt es danach wieder zusammen. Fehlt irgendwo Volumen, klebt man einfach Schaum dran. Die Ergebnisse sahen dann trotzdem echt propper aus.

RORC Commodore: Andrew McIrvine

Die anschließende Diskussionsleitung vermied gekonnt das bislang übliche Gezerre zwischen ORCi und IRC, obwohl oder gerade weil (?) sowohl der Commodore des RORC Andrew Mcirvin als auch Wolfgang Schäfer von der DSV-ORC Abteilung im Saal waren. Die Designer ließen - letztlich unwidersprochen - erkennen, dass man nach IRC leichter schöne und schnelle Boote bauen könne. Sie wünschten sich aber vom RORC langfristig sowohl Kontinuität als auch etwas mehr Transparenz.forum_2010_2ORC habe sich IRC angenähert mit seinem wissenschaftlichen Anspruch, wirke der Entwicklung schneller, gut zu segelnder Boote aber immer noch eher entgegen. Letztlich könne man aber bauen, was der Kunde wolle, und das fahre egal unter welcher Formel gut. Wolfgang Schäfer ließ das in einem Wortbeitrag unbeantwortet und berichtete von Gesprächen zwischen RORC und ISAF, die auf einem guten Wege seien. Letztlich wurde deutlich, dass Konstrukteure und Segler eigentlich nur den Wunsch haben, es möge bald ein weltumspannendes Vermessungssystem geben, das nicht typbildend wirkt, bestehende Flotten nicht benachteiligt und zugleich innovationsfreundlich ist. Also nicht der Tendenz entgegen wirkt, schneller und mit mehr Spaß zu segeln. Viele Diskutanten aus dem Publikum, in dem übrigens zahlreiche Eigner von Rang und Namen saßen, mahnten aber auch dazu, die Fahrtentauglichkeit auch schneller Schiffe nicht außer acht zu lassen. Die meisten Kunden wollten beides: Regattasegeln und Reisen. Von Herrn Günnewig lernte man dann noch, dass man mit seinem neuen Carbonmast zum Radiologen oder auch zum Frauenarzt gehen sollte, um ihn dort einem Ultraschall oder CT zu unterziehen. Da kann man dann sehen, ob er sauber laminiert sei oder wann er wo brechen wird.

ORC-DSV: Dr. Wolfgang Schäfer

Spannend war der Vortrag des Dänen Rene Villefranche und die anschließende Diskussion mit den Rigg- und Segelexperten. Überraschend, dass das stehende Gut aus den neuen Fasern so stark ist, dass man inzwischen auch Masten mit nur um 3 Grad gepfeilte Salinge ohne Backstagen riggen kann. Fazit: mit Carbonmasten und PBO-Rigging segelt man besser, schneller, leichter und einfacher. Aber: auch deutlich teurer! Bei den Rumpfanhängen warnten die Konstrukteure vor zu viel Komplexität. Canting Kiele, Canards, Foils etc. seien spannend, aber kompliziert und anfällig. Offenbar hat man das bisher nur bedingt im Griff und setzt lieber auf feste Finnen, was von den Ratings auch honoriert wird.

Nach dieser sechsstündigen ziemlich einzigartigen Veranstaltung ging man jedenfalls voller Ideen und mit reichlich Stoff bereichert sowie der Erkenntnis davon, dass insbesondere die Formeldiskussion von nahem betrachtet nach einer Lösung geradezu lechzt und angesichts der überwiegend freundlichen Atmosphäre des Forums vielleicht auch gar nicht mehr sooo fern ist. Vieles andere gab es eher zwischen den Zeilen zu lesen, was hier nicht in vollem Umfang berichtet werden kann. Es sei aber auf die hervorragende Zusammenfassung in blur.se verwiesen: http://www.blur.se/2010/02/13/the-future-of-offshore-yacht-racing/ .Interessant und teilweise auch amüsant war es jedenfalls, eine solche Anzahl großer Namen auf dem Podium und im Publikum auf einmal zu erleben. Mit der Veranstaltung hat die GER-OO jedenfalls mitten im verschneiten Winter ein ordentliches Ausrufezeichen gesetzt.(weitere Fotos: http://www.ger-oo.org/galerie?func=viewcategory&catid=16&startpage=2#category)

Dr. Friedrich Hausmann

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