OneWorld Racing Rule 2012

News_OneWorldEs wird spannend in der Hamburger Handelskammer, wenn am 12. Februar 2011 sechs international renommierte Yacht-Konstrukteure sowie über 300 erwartete Teilnehmer aus zehn Ländern auf dem 2. Internationalen Yacht Racing Forum über die Grundlagen für eine neue internationale Hochsee Ausgleichsformel diskutieren. Das Forum möchte besonders die Eigner in diesen Gestaltungsprozess integrieren und Empfehlungen an die Akteure des RORC und des ORC sowie an die ISAF abgeben. Denn nachdem der RORC und das ORC Verhandlungen bereits darüber aufgenommen haben, diese neue gemeinsame Formel zu schaffen, zeigen sich nach wie vor sehr unterschiedliche Philosophien in beiden bisherigen Systemen IRC und ORC, die letztlich zusammengeführt werden müssen. (Hier die Langfassung des Konzeptes oder ersteinmal ...)


Im Vorwege hat die German Offshore Owners Association als Diskussionsbeitrag ein mögliches Konzept für eine neue Rule erstellt, die nicht nur Elemente der beiden bisherigen Systeme beinhaltet, sondern besonders versucht, neue Wege mit den Möglichkeiten der heutigen IT und Internetprogrammierung zu gehen. Überdies wird versucht, eine Lösung zu finden, um einerseits die Koexistenz von reinen Regattaschiffen mit den großen nationalen Flotten der Serienschiffe zu ermöglichen, andererseits die Entwicklung innovativer Regattaschiffe nicht zu beeinträchtigen.

In der Vergangenheit wurde in beiden Systemen versucht, diese Koexistenz mit einem einzigen Rennwert oder Messbrief zu erreichen, wobei neben der wissenschaftlich Performance orientierten Bewertung einer Yacht auch zahlreiche politische Faktoren zum Schutze der bestehenden Flotte angewendet wurden.

Der konzeptionelle Ansatz der German Offshore Owners Association geht daher hier von einem geteilten und variablen Online Messbrief aus, der zwei Zeitkorrekturfaktoren für jede Yacht beinhaltet, nämlich einen reinen Performance orientierten netto Faktor sowie einen regional politisch gewichteten brutto Faktor, der auf dem internationalen netto Faktor basiert.

Technisch im Hintergrund steht hierfür eine weltweit zentrale Datenbank, die über das Internet für alle Beteiligten erreicht werden kann: die Eigner, die Konstrukteure und Vermesser, sowie die Veranstalter und die nationalen Verbände. Über entsprechende Nutzerberechtigungen können alle Beteiligten ihre Daten pflegen, so dass erheblich geringere Personalkosten entstehen und die Ausstellung eines neuen Onlinemessbriefes in Sekunden möglich ist. Zugleich ist das gesamte Race Management für die Veranstalter in diese Datenbank App integriert. Die Veranstalter können ihre Regatten in der Datenbank hinterlegen, Konstrukteure, Vermesser und Eigner geben ihre Vermessungswerte online ein, die Eigner klicken für eine Meldung einfach die entsprechende Regatta an und per AIS werden die Zielzeiten sowie die Zwischenzeiten an den Tonnen automatisch für eine online Vorabauswertung erfasst.

Der entscheidende innovative Ansatz dieses Konzeptes sind aber die beiden variablen Vergütungs Faktoren (TCF), mit denen die gesegelte Zeiten zu einer wertungsrelevanten berechneten Zeit multipliziert werden. Der internationale gültige Basis-netto Faktor wird mit Standard VPP Simulations-Programmen und weiteren Tools berechnet, die über Schnittstellen mit der Datenbank verbunden sind. Ändert bei selbst vermessenden Yachten der Eigner Werte wie die Segelfläche seiner Yacht, steht der neue TCF sofort zur Verfügung. Auf einem höheren Level sind "endorsed TCFs" vorgesehen, die den elektronischen Stempel eines Vermessers erfordern.

Unabhängig hiervon sind kostenfreie Testrechnungen jederzeit möglich, da dieses Konzept im Gegensatz zur IRC Philosophie ausdrücklich Optimierungen einer Yacht unterstützt. Die Datenbank hilft sogar dabei, einen gewünschten TCF durch Veränderung von Segelfläche, Gewicht oder anderen freigegebenen Faktoren zu erreichen, um entsprechend dem IOR Vorbild sehr einfach vergütungsfreie Tonnerklassen bilden zu können. Hierbei soll der internationale netto TCF möglichst politisch neutral und ohne Begünstigung von beispielsweise älteren Schiffen unter der Aufsicht eines internationalen Owners Congress gebildet werden und besonders für Weltmeisterschaften und andere hochrangige Regatten gelten. Hierbei wird bewusst in Kauf genommen, dass für Touren ausgelegte Schiffe auf diesem Topniveau nicht mehr begünstigt werden. Für die nationalen Regatten hingegen wird mit dem regionalen Bruttofaktor, der den internationalen TCF politisch gewichtet, weiterhin eine Flottenpolitik der Verbände zugelassen, die etwa Serienschiffe, ältere oder komfortabel ausgestattete Yachten mit hohem Gewicht begünstigt. Die Verbände können diese Faktoren und die Gewichtung in der Datenbank selbst festlegen, wobei diese politische Bewertung transparent und öffentlich bleibt. Aufgrund dieser Transparenz ist es wahrscheinlich, dass sich international Erfahrungswerte bilden und die Faktoren sich annähern.

Ein Grundprinzip dieses Konzepts bleibt aber, dass für jede Yacht nur der internationale netto TCF verbindlich ist, hingegen die regionalen gewichteten Faktoren jeweils nur für die Region der Regatta gültig sind, unabhängig von dem Bruttofaktor des Heimatlandes. Hierbei bleibt es jeder Yacht überlassen, ob sie mit dem netto oder brutto Faktor zu einer Regatta meldet. Dem Geschick der Verbände bleibt es dabei überlassen, den Bruttofaktor so zu gewichten, dass die Regattayachten "freiwillig" in einer eigenen Klasse mit dem Nettofaktor segeln und die konventionellen Schiffe geschützt bleiben.

In der Zusammenfassung versucht dieses Konzept, die Entwicklung moderner Regattayachten von dem Zwang einer politisch begründeten Überbewertung zu befreien und die Flexibilität der Eigner zu erhöhen, ihr Schiff beispielsweise mit unterschiedlicher Crewstärke zu segeln. Uas Konzept versucht darüber hinaus, die Investitionssicherheit für die Eigner mit einen international gültigen Messbrief zu erhöhen, der nicht politisch gewichtet ist. Gleichzeitig bleibt es den nationalen Verbänden überlassen, mit einem regionalen zusätzlichen brutto TCF ihre Flottenpolitik zu betreiben, etwa, indem Serienschiffe einen weiteren Bonus erhalten. Durch die Zusammenfassung von Racemanagement und Vermessung in einer internetbasierten und internationalen, transparenten Datenbank App werden vor allem Personalkosten und Verarbeitungszeiten drastisch reduziert. Gleichzeitig werden Innovationen gefördert und öffentlich nachvollziehbar gemacht. Soweit es gelingt, für die Entwicklung und den Betrieb dieser App einen Namens-Sponsor zu finden, sind zahlreiche kostenfreie Services wie zum Beispiel Testrechnungen denkbar.

Eine detailliertere Fassung dieses Konzeptes finden Sie hier

Volker Andreae

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Yacht Forum